| Paradise # 58
Wir trafen uns am 28. August 2004 mit der Fantasy-Autorin
Monika Felten, der Musikerin und Sängerin
Anna Kristina und Heiko
Kleist, dem Marketingvertreter des Musikverlages AHRENKIEL. Neben
einem Foto-Shooting an der stimmungsvollen Mellingburger Schleuse in
Hamburg sprachen wir über das neue Crossmedia-Projekt „Das
Erbe der Runen“, an dem die Drei seit etwa einem Jahr arbeiten.
Und die Veröffentlichung des ersten „Runen“-Buches
steht kurz bevor. [WARP-online] Monika Felten (MF): Sie sind ja sehr aktiv im Fandom unterwegs. Man trifft Sie häufig auf Conventions und Lesungen. Selbst die Leute, die noch kein Buch von Ihnen gelesen haben, kennen Ihren Namen oft schon. Wie schaffen Sie das alles rein zeitlich: Familie, Schreiben und viel unterwegs sein? MF: Die Cons sind ja meistens am Wochenende. Da kann mein
Mann sich um die Kinder kümmern. Das ist dann eigentlich kein Problem.
Und das Schreiben läuft meistens ab, wenn die Kinder in der Schule
sind. Nachmittags ist dann die Familie an erster Stelle. Oder ich schreibe
abends, wenn ein bisschen Ruhe ist. – Es ist ja auch nicht nur
das Bücherschreiben: Inzwischen gibt es auch viel Fan-Post, ich
gebe – wie heute - Interviews und Online gibt es auch viel Arbeit.
Ich habe eine eigene Homepage und die muss gepflegt werden. Da gibt
es ein Gästebuch, und ich lege sehr viel Wert darauf, dass das
regelmäßig kommentiert wird. Solche Schreibarbeiten erledige
ich meistens abends. Die kreative Schreibphase ist vormittags dran! Schreiben Sie jeden Tag? MF: Ja. Ich bemühe mich, jeden Tag meine Seitenzahl zu schaffen. Mit Ziel: So und so viel Seiten? MF (lacht): Ja, man hat schon so eine Wunschvorstellung, aber manchmal werden es dann auch nur zwei Seiten. Wenn die aber gut werden, dann bin ich auch zufrieden. Sie haben ja als erstes die „Saga von Thale“ als Trilogie abgeschlossen. Das sind die „Elfenfeuer“-Bücher gewesen, für die Sie auch Fantastik-Preise gewonnen haben. – Hatten Sie die ganze Geschichte von Anfang an im Kopf gehabt? Wussten Sie bereits beim ersten Buch, dass die Geschichte eigentlich noch größer ist? MF: Als ich „Elfenfeuer“ schrieb, hatte ich das Gefühl, dass ich bereits einen zweiten Band schreibe. Da gab es soviel Vorgeschichte, die eigentlich noch hätte erzählt werden müssen. Aber Verlage sind vorsichtig, und ich hatte zunächst nur die Zusage für einen Roman, der in sich abgeschlossen sein sollte. Als "Elfenfeuer" bei den Lesern gut ankam, erhielt ich die Zusage, noch einen weiteren Roman zu schreiben – aber auch hier passte die Vorgeschichte nicht hinein. In diesem zweiten Roman konnte ich jedoch endlich den Brückenschlag einflechten, der den Leser in die Zeit vor "Elfenfeuer" führt. Der dritte Band "Die Hüterin des Elfenfeuers" ist genau genommen ein Prequel zu "Elfenfeuer": Ein Rückschritt in der Zeit. Das erste „Elfenfeuer“ ist ja noch im WEITBRECHT-Verlag erschienen, während die weiteren Bände bei PIPER herausgekommen sind. Was steckt hinter diesem Wechsel? MF: Der PIPER-Verlag war ja noch ein alt eingesessenes Baden-Württembergisches Unternehmen, in dem Herr Weitbrecht selbst Geschäftsführer war. Als dieser in Ruhestand ging, hat er für seinen Verlag einen starken Partner gesucht. So ist das WEITBRECHT-Programm an Bonnier gegangen. Bonnier hat dann die Fantasy-Sparte von WEITBRECHT dem PIPER-Verlag zugewiesen. Rückblickend kann ich sagen, dass ich froh bin, dass das so gelaufen ist, auch wenn man zuerst natürlich ein bisschen unglücklich ist, den Verlag wechseln zu müssen. Den WEITBRECHT-Verlag gibt es definitiv nicht mehr! Es ist also nicht nur ein Verlagswechsel von mir gewesen, sondern von allen Autoren. Für mich gestaltete sich dieser Wechsel sehr positiv. Ich fühle mich bei PIPER sehr wohl. Jetzt beginnen Sie eine neue Trilogie mit dem Titel „Das Erbe der Runen". In dieser Trilogie erscheint als erstes Buch „Die Nebelsängerin“, das Ende September 2004 herauskommt. Hat diese neue Trilogie inhaltlich etwas mit der vorigen „Saga von Thale“ zu tun? Muss man die „Elfenfeuer“-Bücher vorher gelesen haben, um die neuen Bücher zu verstehen? MF: Mit „Die Nebelsängerin“ beginnt eine ganz neue Trilogie, mit ganz neuen Protagonisten, die in einer ganz neuen Welt spielt. Diese haben wir bewusst für „Das Erbe der Runen“ entworfen. Sie hat viele Details, ist tiefgründiger und hat eine größere Bandbreite, als „Thale“ es hatte. Wir haben uns viel Mühe gegeben, all die Hintergründe der neuen Welt zu entwerfen. - Es fängt wieder ganz von vorne an! Wann haben Sie mit diesem neuen Projekt angefangen, und wie ist es dazu gekommen? MF: Das ist auf dem NordCon 2003 losgegangen. Da war ich noch am Schreiben an „Die Hüterin des Elfenfeuers", aber auch schon so ein wenig auf der Suche. Man fragt sich dann ja als Autor: „Was machst Du denn, wenn Du es fertig hast?“ – Da kam es mir ganz gelegen, dass ich von Frau Ahrenkiel angesprochen wurde, ob ich Interesse an einem Fantasy-Projekt hätte, das Buch und Musik verbindet, um den Roman dazu zu schreiben. Wir haben uns zusammengesetzt und das gesamte Konzept einmal durchgesprochen und überlegt, wie man das Projekt starten könnte. Wir sind uns ziemlich schnell einig geworden. Ich habe dann ein ganz langes Exposé für einen Roman geschrieben, wie ich ihn mir vorstelle und wie die "Nebelsängerin" sein könnte. Es gab dazu ein paar Eckpunkte, die berücksichtigt werden sollten: In dem Buch sollte die Magie über Musik transportiert werden, um die Synergie zur CD herzustellen. Und die Protagonistin sollte ein junges Mädchen aus unserer Welt sein. – Das hatte ich also mit auf den Weg bekommen und das Exposé danach geschrieben. Es kam gut an. „Das Erbe der Runen“ ist ja, soweit
wir gelesen haben, als sogenanntes crossmediales Projekt angelegt,
also als ein Ganzes, das verschiedene Medien gleichzeitig anbietet:
Buch, CDs, Puzzles, Kalender und so weiter. MF: Ja, das stimmt. Unser Komponist Gunther Laudahn und die Sängerin Anna Kristina haben sich spezielle Songs für „Die Nebelsängerin“ ausgedacht und sie dann musikalisch verwirklicht. Dem Buch liegt eine CD bei, und auch die beiden zukünftigen Bücher werden Musik dabei haben. Sie sagten, die Musik wäre speziell für
das Projekt und die Bücher geschrieben. Ist das so wie eine Filmmusik
zu verstehen, ein Soundtrack? Es ist also nicht so aufgebaut, dass
da steht: AK: Nein. Wir haben da zunächst drei Songs, und die beschäftigen sich mit den Hauptstimmungen des Buches. Für „Die Nebelsängerin“ heißt zum Beispiel ein Song „Far Away“, und dieses Lied soll den Leser erst einmal in diese neue Welt hineinführen. Da wird einiges erklärt und erzählt. Ein sehr schönes Lied. – MF: Man kann das so ein wenig wie dieses Enya-Stück sehen, das im Abspann von „Der Herr der Ringe“ lief - „May it be“. Das ist ja auch keine richtige Filmmusik, aber der Song greift die Melancholie am Schluss des Filmes auf. AK: Ja, genau. So ähnlich ist die Musik auch bei uns zu verstehen. Hast Du bei der Musik Einfluss auf die Kompositionen? Kannst Du sagen: „Ich möchte das so oder so singen?“ AK: Ich muss sagen, ich habe sehr viel Freiheit. Ich darf
mitentscheiden, und wenn mir ein Text nicht gefällt, dann kann
ich auch sagen: „Könnten wir das noch einmal so oder so abändern?“
Wir arbeiten da sehr gut im Team zusammen. Ich lasse auch schon Kompositionen
mit einfließen. Das finde ich das Tolle an diesem ganzen Projekt.
Auf der Musikschiene ist also jemand, der hauptsächlich komponiert... AK: Ja, das ist Gunther Laudahn. Und dann ist da noch jemand, der die Texte dazu schreibt ... AK: Ja, die Lyrics stammen von Osanna Vaughn, die wunderschöne englische Texte schreibt. Dann setzt ihr euch zu dritt zusammen und sagt euch: „Jetzt haben wir die Texte von Frau Felten vorliegen, und was fällt uns dazu ein?“, oder wie läuft das dann ab? AK: Nein, Osanna hat ja die Aufgabe, Texte zu schreiben, und sie hat einen besonderen hoch-englischen Sprachstil, der wirklich gut zu Fantasy passt. Es liegt ihr im Blut, Fantasy zu schreiben. Gunther und ich schauen uns ihre Texte an und überlegen, was dazu musikalisch schön passt und wie man das vertonen kann. Langsam entsteht dann der Song. Und der wächst und wächst, und irgendwann ist er fertig. MF: Dazu muss ich sagen, dass bei der Entstehung der „Nebelsängerin“ alle mit eingebunden waren. Es wurde ein Online-Forum eingerichtet, in dem die Texte auch von Osanna und Gunther nachgelesen werden konnten, und insofern hat sich Osanna dann Passsagen rausgepickt und gesagt: „Dazu könnte ich etwas schreiben!“ – „Message on the Wind“ zum Beispiel, das auch auf der CD ist, greift so ein kleines bisschen die Geschichte auf, dass in Nymath - so heißt meine neue phantastische Welt - Falken Botschaften transportieren. Osanna hat das thematisch so interpretiert, dass eine Nachricht vom Wind weitergetragen wird. AK: Es ist nicht so, dass wir drei Themen bekommen haben nach dem Motto: „Ihr müsst jetzt das und das und das vertonen und singen!“ - Wir hatten da schon ziemlich freien Lauf! Die drei Songs geben nicht die richtige Handlung wieder, sondern Stimmungen in Monikas Buch, die wir in sehr schöne Musik verwandelt haben. MF: Ja - „It seems like only Yesterday“ ist für mich z.B. ein Heimweh-Lied. Ajana kommt ja aus ihrer eigenen Welt, wird dort regelrecht rausgerissen, verliert quasi ihre ganze Familie, und wird nun in eine völlig neue Welt gesetzt, ohne die Möglichkeit zurückzukommen. Dieses Lied ist ein kleines bisschen so ein Gänsehautlied. Man fühlt die Traurigkeit darin und spürt, dass sie Heimweh hat. Es wird im Buch auch beschrieben. – Das heißt jetzt aber nicht, dass man beim Lesen dieser Szene die Musik spielen muss! (lacht). Anna Kristina, wir haben gelesen, dass Du schon sehr früh angefangen hast, Musik zu machen. Du spielst auch sehr viele Instrumente. Und Du hast auch schon als Synchronsprecherin gearbeitet. Wann hat das alles bei Dir angefangen? AK: Ich habe mit fünf angefangen, Klavier zu spielen. Mit elf oder zwölf kam dann Saxophon, und mit fünfzehn musste ich mich dann unbedingt noch der Gitarre widmen, weil ich das so schön fand. Aber ich habe schon sehr früh Studioluft geschnuppert für „Lieder und Geschichten mit der Maus“. Da habe ich Lieder gesungen und Hörspiele gesprochen. Darauf kamen dann weitere Engagements. Für „Baywatch“ hast Du auch synchronisiert? AK: Ja, das war eine der Synchronrollen, die ich hatte. Außerdem war ich in „My Parents are Aliens“ zu hören. Die meisten Sachen sind, glaube ich, noch gar nicht raus, oder auf PREMIERE gelaufen. Ich weiß es leider nicht genau. Wenn ihr die Musik zu „Erbe der Runen“ macht, wie läuft das im Studio ab? Sind da die Musiker alle anwesend? AK: Wenn wir die Stücke aufnehmen, ist es meistens so, dass ich ein fertiges Playback habe, das wir vorher erarbeitet haben. Und darauf singe ich dann. Der Gesang ist also das letzte, das aufgenommen wird. Die Musik macht Gunther Laudahn mit mir gemeinsam. Er hat zusammen mit mir ganz alte Instrumente rausgekramt, auch orientalische Instrumente, eine Zither und alles mögliche. Damit haben wir die verrücktesten Sounds kreiert und ganz mystische Sachen hinbekommen. Wir haben das zusammen immer weiter entwickelt, und schließlich hat Gunther dann das Beste als Grundlage für die Kompositionen und Arrangements eingespielt. MF: Wobei durchaus auch Streicher vorkommen. Heiko Kleist (HK): AK: (lacht): Genau! HK: Die Streicher auf einem der Tracks sind auf einer Tour in Amerika entstanden, in dem Studio, wo auch Nigel Kennedy aufnimmt. Das managt Gunther Laudahn dann selbst und versucht es so zusammenzufügen, dass am Ende alles eine gute Einheit ergibt. Die Zwischenstände der Musik werden auch immer wieder im ganzen Team kommuniziert. MF: Das ist wie mit meinen Testlesern, die auch immer mal wieder etwas dazu sagen dürfen: Ob es zu langatmig wird, oder ob es zu blutig wird oder so! Und der Komponist oder ich entscheiden dann, was nachher von den Anregungen übernommen wird. So hat jeder federführend für seinen Bereich das letzte Wort. HK: Auf diese Art wird heute sehr oft produziert. Die verschiedenen Instrumente und Sounds werden einzeln aufgenommen und dann von den einzelnen Spuren zusammengeschnitten. So kann man jeden Ton, jedes Instrument optimal einbinden. Und so entsteht langsam der gewünschte Sound. Und wenn er einigermaßen fertig ist und der Song auch instrumental steht, dann kommt der Gesang dazu. So kann sich die Sängerin bereits beim Singen in die Stimmung des jeweiligen Songs einfühlen. Wie lange dauert es ungefähr, eine von den CDs fertig zu kriegen? AK: Ich war ziemlich oft im Studio. Häufig das ganze Wochenende. Vielleicht so ein halbes Jahr lang. Allerdings ist dabei sehr viel mehr Musik entstanden, als jetzt auf der CD zu hören ist. Dann war Gunther auf Welttournee mit Sarah Brightman, und dadurch gab es Unterbrechungen. Aber das Gute an der Tournee war, dass er fast aus jedem Land irgend welche mystischen Instrumente mitgebracht hat. Das ganze Studio steht jetzt voll damit und nur er kann damit umgehen ... (lacht). MF: Bei den Flöten hört man z.B. auch die Atemgeräusche von den Aufnahmen. Das ist für die CD extra nicht verändert worden. HK: Ja, denn trotz der ganzen modernen Studiotechnik haben wir natürlich versucht, "echte" Musik zu machen, sie – wo es Sinn machte - handgemacht und grundsätzlich authentisch klingen zu lassen. Es ist nicht alles nur Computer- und Synthesizer-Sound. Und das sollte auf jeden Fall zu hören sein. MF: Nur - wer die Instrumente nicht kennt, wird vielleicht schon manchmal sagen: „Das ist am Synthesizer gemacht worden!“ Man sollte sich schon mal die Zeit nehmen und die Musik intensiv hören. Anna Kristina, mit dem „Erbe der Runen“ hast Du ja nun in den nächsten Jahren einiges zu tun. Hast Du daneben Pläne, was Du noch so in Zukunft oder nebenbei machen willst? AK: Also jetzt freue ich mich erst einmal sehr, dass ich diese drei Bücher musikalisch begleiten kann. Ich schmiede natürlich auch Pläne. Vielleicht möchte ich irgendwann ein Album machen, mit Songs, die unter die Haut gehen ... Aber ich bin mir noch nicht sicher. Das steht alles noch in den Sternen! Ist es bei „Erbe der Runen“ auch schon geplant, dass es Live-Auftritte gibt? - Die „Drei ???“ machen ja so etwas - Monika Felten liest und Anna-Kristina singt? MF: Wenn ich öffentlich lese, dann brauche ich meist nicht viel. Einen Tisch, ein Mikro und mein Buch. Um Musik zu spielen, braucht man natürlich ein entsprechend größeres Equipment. Wenn so etwas vorhanden ist, sehe ich eigentlich kein Problem darin, dass man auch gemeinsam auftritt. Das wäre einerseits schon ganz schön, erfordert aber andererseits einen viel größeren Aufwand, das organisiert zu bekommen, weil es dann ja weit mehr als eine Lesung ist. Nun wird es jetzt aber nicht nur CDs zu den Büchern von „Das Erbe der Runen“ geben, sondern auch Musik zu Puzzles, die RAVENSBURGER dazu herausbringen wird, nicht wahr? MF: Ja, das ist richtig. RAVENSBURGER wird im Frühjahr 2005 drei Puzzles mit Motiven zum Buch herausbringen. Den Puzzles liegen ebenfalls Songs von Anna Kristina bei. Eines der Puzzles heißt z.B. "Magic Weaver" und zeigt die Nebelsängerin mit dem Amulett. Dazu gibt es auch einen Song, der die Geschichte dieser Elfe erzählt. Wie sie als Kind aufwächst und dann heranreift ... Das Stück gehört übrigens jetzt schon zu meinen Lieblingsliedern. Sind das andere Songs als zu den Büchern? AK: Ja, auf jeden Fall! Es sind insgesamt neun neue Songs. Der Leser, der vielleicht auch puzzelt, will ja nicht noch einmal dasselbe hören. Und da geht es dann um die Stimmung, die das Bild auslöst? HK: Ja, das ist immer miteinander verbunden. Wer malt diese Puzzle-Bilder? HK: Wir haben einen guten Illustrator gefunden, worüber wir uns sehr freuen. Alexander Jung ist schon recht etabliert. Er hat sich in den letzten Jahren mit Arbeiten zu Rollenspielen im Umkreis von „Das schwarze Auge“ in der Fantasy-Szene einen Namen gemacht. Er arbeitet auch schon für RAVENSBURGER im Kinder-Puzzle-Bereich. Wir haben Alexander zuerst gebeten, einmal die Charaktere aus Monika Feltens Buch zu visualisieren. Dazu haben wir uns getroffen und darüber gesprochen, wie die Charaktere aufgebaut sind, wie sie aussehen könnten, und da hatte er dann auch schon erste Zeichnungen nach den Manuskripten dabei. Die haben uns überzeugt. Wann war das? War das Buch „Die Nebelsängerin“ da schon fertig? MF: Nein, das war letztes Jahr im August. Ich hatte gerade die ersten Kapitel-Manuskripte fertig ... HK: ... also schon mit Beginn des Schreibprozesses. Monika Felten
hat immer schon die Kapitel, die soweit standen – also noch
weit vor Lektorat und Korrektur – zum Lesen ins Team gegeben.
Parallel sollten ja auch schon die Musik und die Illustrationen
entstehen. MF: Für mich war das übrigens ein ganz tolles Erlebnis! Ich durfte mir meinen Helden zeichnen lassen ... (lacht). Und Sie haben ihn dann angeschaut und gesagt: „So wie der jetzt aussieht, so beschreibe ich ihn nun auch“? MF: Ja, er ist jetzt natürlich optisch festgelegt. Es gibt ein Bild, dem ich auch gerne mit Worten entspreche. Zuerst waren die Beschreibungen vage, und in den meisten Büchern ist es ja auch dem Leser überlassen, sich vorzustellen, wie der Held denn nun aussieht. Aber an diesem Bild kann ich mich nun längs hangeln, und er sieht jetzt immer gleich aus. – Für mich war das eben ganz toll, den jetzt mal so gezeichnet zu bekommen. Das hat man sonst ja so nicht! Sie haben nun so viele Zeichnungen von den Charakteren. Und das Ölgemälde. Kommen die auch als Illustrationen in den Büchern vor? MF: Die Charaktere finden sich alle im Kalender wieder. Aber das Buch haben wir ganz bewusst ohne Bilder gemacht. Also, ich finde es nicht so schön, dem Leser vorzuschreiben, wie alles aussieht und die Szene so bildlich festgezimmert ist. Jemand, der nur das Buch für sich haben will, und sich in Gedanken seine eigene Welt schaffen will, der ist ja nicht genötigt, sich das Puzzle zu kaufen. In dem Moment aber, wo ich ihm die Bilder schon ins Buch lege, schreibe ich ihm vor: So sieht es aus! – Ich habe sehr viel Feedback auf meine „Elfenfeuer“-Bücher bekommen, und der Tenor war: „Ich finde es toll, dass da überhaupt keine Bilder drin sind! Da kann ich ganz allein für mich vor mich hinträumen“ - Wer mehr sehen möchte, hat die Möglichkeit über die Puzzles oder den Kalender. Dann kann man ja entscheiden, ob die Figuren und Orte so aussehen, wie man sich das vorgestellt hat, oder nicht. Ja, Harry Potter sieht auch nicht aus, wie wir ihn uns vorstellen
... Gibt es von Ihrer Welt auch Landkarten, wo man sehen kann, welche Länder wo liegen, welche Wege und Städte? MF: Erhardt Ringer aus Österreich, der auch schon die Karten für die „Saga von Thale“ gemacht hat, hat uns eine schöne Karte nach unseren Entwürfen gezeichnet. Wir haben ihm vorgegeben, wie das Land aussehen soll. Weil ja in der Fantasy viel gewandert wird, und man soll dann schon sehen: Wo sind die längs gegangen? Gerade in der Fantasy finde ich eine Karte ganz wichtig. Diese Karte ist weitestgehend sogar von einer Geologin überprüft worden! Rollenspieler legen immer sehr viel Wert darauf, dass so etwas dann alles richtig funktioniert. Dass die Flüsse nicht bergauf fließen und solche Sachen. H.K: Monika Felten schreibt ja eine Fantasy, die recht real ist. Wo Magie und Zauberkräfte ganz punktuell dort eingesetzt werden, wo sie auch Sinn machen, und nicht ein sinnfreies, völlig nach eigenen Gesetzen funktionierendes Universum erschaffen wird. Es funktioniert schon alles recht gut. Und deswegen haben wir uns bei der Illustration, wie auch bei der Gestaltung des Buches diese Mühe gemacht. Unser Grafiker hat den Buchumschlag gestaltet und das Amulett zusammen mit Frau Felten entworfen – netterweise hat uns der PIPER-Verlag da vertraut und freie Hand gelassen, was normalerweise in der Verlagsbranche nicht gang und gäbe ist. Wird es das Amulett als Schmuckstück geben? MF: (schmunzelt) Wenn sich ein fähiger Goldschmied findet ... HK: Übrigens sind auch die Runen, um die es auf dem Amulett geht, und die ja auch im Titel auftauchen, ein realer Artefakt. Sie sind historisch und wissenschaftlich erforscht. Die Sprache ist entschlüsselt worden, und man weiß, wie sie funktioniert. Diese Runen haben neben einer normalen Buchstabenbedeutung auch eine weiter gefasste, magisch-mystische Bedeutung, und auf die wird bei uns zurück gegriffen. Also alles nachvollziehbar! MF: Ich habe die Runen auf dem Amulett so angeordnet, dass ein Zauber wie im Buch theoretisch möglich wäre. Mit Caroline Fischer haben wir eine Runenberaterin im Team gehabt, die mich im Bereich der Runenmagie fachkundig unterstützt hat. HK: Das ging sogar soweit, dass wir die Runenreihenfolge auf dem Amulett in letzter Minute noch einmal geändert haben, um ihrer magischen Bedeutung auch im Zusammenwirken zu entsprechen. Das hat lustigerweise bereits jetzt schon dazu geführt, dass sich ein Professor bei uns gemeldet hat, der das Amulett in einer Anzeige für das Buch gesehen hatte. Er fragte nach, ob das Amulett und der Runenzauber eine direkte historische Vorlage haben. Und der Mann beschäftigt sich immerhin schon seit Jahren mit den altnordischen Kulturen unserer Vorfahren ... – MF: Ja, bei den Runen sind wir wirklich sehr in die Tiefe gegangen. Insbesondere an der Stelle, wo Ajana den Zauber webt. Die betreffenden Seiten habe ich Caroline geschickt und sie gefragt, ob es runologisch korrekt sei. Einige Runen mussten tatsächlich umgestellt werden und die Texte etwas verändert. Die eine Rune hatte zum Beispiel etwas mit Eis zu tun, im Text stand aber etwas mit Feuer, dass passte leider überhaupt nicht. Wie ist das überhaupt mit historischen Recherchen? Was machen Sie da grundsätzlich für Nachforschungen? MF: Historische Bezüge gibt es zum Beispiel auch in der Waffenkunde. Wir haben einen Rollenspieler im Team, der sich sehr gut mit Waffen auskennt. Ich muss ganz ehrlich sagen: Mit meinem Halbwissen an so etwas heranzugehen wäre nicht so gut. Man kann zwar etwas Schönes schreiben, weil man auch selbst vieles gelesen hat, aber es hat mir doch sehr geholfen, dass er gesagt hat: „Ein Wurfstern spaltet keine Stirn! Dazu ist er nicht kräftig genug!“ – Dann fliegt der Wurfstern also nicht in die Stirn, sondern in den Hals, und da passt er dann auch rein (lacht). - Da lasse ich mich bei solchen technischen Fragen gern eines Besseren belehren. Dann kann man zusammenfassend also sagen, dass das Ganze bei „Das Erbe der Runen“ ein Prozess war, bei dem alles Hand in Hand ging: das Schreiben, die Musik, die Bilder. Und die haben sich gegenseitig inspiriert! MF: Nicht so wie bei anderen Serien, wo es erst das Buch gibt, und dann sagt jemand: „Da mach ich jetzt mal Musik dazu", oder "Ich male einmal ein Bild dazu“. Alles entstand parallel vom Sommer letzten Jahres an, als wir richtig eingestiegen sind, bis Februar/März dieses Jahres, als das Buch abgegeben wurde. Und es geht ja jetzt auch noch weiter, mit dem zweiten Band und mit den Puzzle-Motiven, die ja andere Veröffentlichungstermine haben, als das Buch. HK: Und was die Zukunft bereit hält wird sich daran messen lassen müssen, wie DAS ERBE DER RUNEN von den Lesern und Leserinnen und natürlich auch von den Puzzle-Begeisterten aufgenommen wird. Wir sind alle sehr gespannt darauf. Frau Felten, Anna Kristina, Herr Kleist: Vielen Dank für das schöne Gespräch! Instrumente des "Soundtracks" zu "DAS ERBE DER RUNEN - Die Nebelsängerin" Titel 1: Far Away Titel 2: Message On The Wind Interlude 2: Titel 3: It Seems Like Only Yesterday
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Letztes Update dieser Seite am 23.12.2004 |
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