Bild-Rezension (Andy
"Lumpazie" Schmid)
Das letzte Bild von Dirk Schulz' aktueller Staffel
zeigt diesmal ein Raumschiffmotiv. Das wird auch dringend nötig
sein, denn der Roman stammt von Titus Müller.
Der in Berlin lebende Autor ist Spezialist für Romane, die in der
historischen Vergangenheit oder dem
Mittelalter unserer Erde spielen (z.B. "Die Priestertochter").
Also dürfte es sich in der Handlung des Romans (ähnlich wie
bei Gisbert Haefs Gastroman) um einen Planeten mit einer mittelalterlichen
Gesellschaft drehen.
Der Titel verrät es einem schon zum Teil. Kein Wunder also, dass
dann zumindestens das Titelbild etwas mehr Science Fíction enthalten
soll ;-)
Dirk Schulz setzt Gott sei Dank seinen düsteren Stil nicht fort,
sondern setzt auf eine hellere, freundlichere Farbgebung.
Ein diskusförmiges Raumschiff der Galchinen rast durch den Himmel
eines Planeten, der Sonne entgegen. Rechts im Bild ein saturnähnlicher
Planet - mit wunderschönen Ringen.
Sehr gut hat Dirk die Spiegelungen der Sonne auf dem Raumschiff eingefangen,
auch die "Saturnringe" verschwinden auf der sonnenabgewanden
Seite in der Düsternis des Planetenschattens.
Ein wunderbares Bild!
Sehr gut auch die Idee des Verlages, den Autor auf dem Titelbild vorzustellen
- allerdings mit einem halbseitigen Schutzumschlag (auf der Innenseite
steht Wissenwertes über den Autor und den Inhalt des Romans; die
Außenseite zeigt den Autor und den Titel des Romans).
Wer nur das Titelbild sehen möchte, kann den Umschlag aufklappen
oder ganz entfernen.
Diese Neuerung (mit dem zweiten Gastroman von Andreas Eschbach eingeführt)
sollte unbedingt beibehalten werden!
Eine klasse Idee.
Illustration:
Da habe ich gerade noch Dirk Schulz gelobt, dass er nicht wieder so
düstere Bilder zeichnet, schon er-
schreckt mich Michael Wittmann auf Teufel komm raus!!!
Der kommt dann auch raus - der Teufel, nicht Michael ;-) - nämlich
aus dem Gestrüpp! Seinen Bruder hat er auch dabei! Und die beiden
sehen gar nicht freundlich aus, sondern recht bedrohlich. Kein Wunder,
wenn die streng gläubigen Menschen des Planeten Vanderbeyten da
Angst bekommen. Dabei handelt es sich doch "nur" um zwei Galchinen,
die aus den Diensten der Terminalen Kolonne austreten und einfach in
Frieden gelassen werden wollen!
Asylanten also - ja ja, man soll nicht immer nach dem Äußeren
gehen ...aber das passt ja perfekt in unsere heutige Zeit.
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Handlungsrezension
(Erich "E-Man Wall-1" Wallner)
Thema Gastautor:
Wie bereits einmal Gisbert Haefs, so wurde diesmal Titus Müller
als ein Schreiber von Historien-Schinken für den Gastauftritt gewonnen.
Für mich noch relativ unbekannt und neu auf dem Markt. Soll man
jetzt rätseln, was Schilderungen im historischen Rahmen mit Zukunftsträumereien
verbindet? Eher ist es eine Entdeckung, dass fiktive Gesellschaften
genauso intensive Ausarbeitung, also handwerkliches Geschick erfordern.
Natürlich wird es als geschickte Marketing-Strategie bewundert.
Der Synergie-Effekt im literarischen Sinn entgeht dabei leicht dem Beobachter.
Dabei wird in vielen Schreibseminaren verkündet, dass die Kunst
des Schreibens sich steigert, wenn man sich an verschiedenen Sujets
versucht.
Doch in der ATLAN-Reihe brachte Kim Vandemaar(?) mit seiner Sprachverliebtheit
mehr Fremdartigkeit ins Feeling.
Zu sehr auf der sicheren Seite geblieben?
Wenn am Existenzminimum kratzende Leutchen Handel mit technischen Hilfsmitteln
ablehnen, dann ist das offensichtliche Technikfeindlichkeit. Da es ausgewanderte
Nachkommen einer Sekte sind, sind Bezüge zu Amish People leicht
herzustellen.
Auch aus STARGATE kennen wir solche brisante Begegnungen unterschiedlicher
Kulturen.
520 Gesetze regeln die Bedingungen des Zusammenlebens, die aber nicht
für den Patriarchen gelten. Die Benennung der Clans nach Kapiteln
des Alten Testaments könnte aber nur eine weggeschlossene Bibel
aufschlüsseln. Hier geraten wir in einen religiös dogmatischen
Taburaum.
Ein Junge, der Restriktionen müde, sammelt Zweifler und Renegaten
um sich, um mit der entwendeten Bibel der Wahrheit, oder dem Ursprung
auf die Spur zu kommen.
Selbst die Tochter des diktatorischen Gemeindevorstehers vermeint, in
dem 15-Jährigen einen neuen Messias zu erkennen. Obwohl sie älter
und auch sehr weit gereift ist, schenkt sie ihm ein Kind.
Es überschreitet jedoch dies sogar die Verrücktheiten eines
Hl. Franziskus, als er mordlüsternen Bestien, Deserteuren TRAITOR’s,
Unterschlupf und Tarnung gewährt.
Raubtiere, die im Vorübergehen Mitbrüder verspeisen, vor Verfolgung
zu schützen – das ist wohl falsch verstandene Toleranz gegenüber
Fremdartigem. Es lässt am Friedensfanatismus zweifeln.
So ein bornierter Sektierer bringt auch gutmütige Gläubige
zum Hadern am Bibelverständnis.
Nun ist aber keine Klärung der Lage mehr in Sicht, da Gastromane
meist Einzelromane bleiben.
Darum fällt mir ein anderer Trend auf:
Mit Kantiran wurde erstmals die Umstellung auf ein jüngeres Lesepublikum
anvisiert - frühere Versuche, wie mit den Ennox, mal unberücksichtigt.
Seitdem wird dieselbe Schablone aneckender Jugendlicher benutzt.
Was aber, wenn in einer Nega-Sphäre solche Tendenzen nicht mehr
verfliegen, Menschen nicht mehr erwachsen werden?
Dann könnten nach einem kurzen Sprung von 30 Jahren in der näheren
Galaxis nur noch eigensüchtige, verantwortungslose Egomanen einer
chaotischen Lebensart verfallen sein.
Dann braucht es keine blutrünstigen Besucher von außerhalb
mehr.
Titus Müller schildert Charaktere, Siedlerleben und auch dämonische
Aliens sehr plastisch.
Der Abschluss ist unbefriedigend.
Darum denke ich an eine hohe Wahrscheinlichkeit für meine Vermutung
der Serienvorgaben.
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