Bild-Rezension (Andy
"Lumpazie" Schmid)
Jetzt wissen wir endlich, was ES zu so lange zu tun
hatte: Er hat eine Geschlechtsumwandlung unterzogen und ist jetzt eine
SIE. Das impliziert jedenfalls das Titelbild dieses Heftromans. Man
sieht eine hübsche Maid, daneben ein Weltraumhabitat, das sehr
an die Darstellung des Kunstplaneten auf dem Poster in Heft 1500 erinnert.
Natürlich ist dem nicht so. Vielmehr zeigt das Bild eine Wohnwelt
der Strukturpiloten aus der Charonwolke. Hier recycelt sich die Perry
Rhodan-Serie wiedermal selbst:
Ein undurchdringlicher Staubwall, der nur von speziellen Menschen mit
der dazu gehörigen PSI-Fähigkeit durchdrungen werden kann.
Denkt da nicht jeder an die Provocon-Faust und die Vakulotsen? Nur:
Diesmal heißt der Nebel "Charon-Wolke" und durch sie
lotsen die "Strukturpiloten".
Aber ich will nicht meckern - es ist eben auch schwer, etwas Neues zu
erfinden. Außerdem wird die Kultur der Charronis sehr schön
beschrieben, ganz im Gegensatz zu den Vakulotsen seinerzeit. Wer die
hübsche Maid auf dem Titelbild ist, geht bis dato aus dem Roman
nicht hervor.
Die große Liebe des Handlungsträgers Kempo kann es nicht
sein, die ist blond. Ist es der junge Strukturpilot selbst? - Dann hätte
er aber einen Überschuss an weiblichen Hormonen - eine Dragqueen
in Perry Rhodan, das hätte doch mal was ;-)
Nachdem ich nun fast am Ende des Romans bin, vermute ich, dass Alfred
hier einfach die Heimstätte der Strukturpiloten symbolisch mit
den schönen Augen der namenlosen Maid als die Augen von Charon
darstellen wollte.
Ob hier Monika, eine alte Freundin von Alfred, als Vorbild stand? Ich
glaube ja ..........
Die Innenillustration
von Michael Wittmann finde ich sehr gut!
Sie zeigt den gauzigen Sheerdurn, dessen Bildnis mir wie eine Mischung
aus Walter Ernsting und Elton John vorkommt. Ob diese Ähnlichkeit
gewollt war?
Die krasse Brille ist ein Markenzeichen der Strukturpiloten - wenn die
Marketingabteilung von VPM fit ist, schlägt sie daraus Kapital!
Die 70-er sind ja derzeit wieder im Trend - da gab es solche Brillen
zu hauf ;-)
Bei dem Bild fällt mir glatt eine Werbung aus dem TV ein:
"Hey Opa, warum schaust Du auf dem alten Super 8 Film so bescheuert
aus?"
"Tja", meint daraufhin der Angesprochene,"Fielmann gab
es damals noch nicht."
(Und in der Charonwolke auch nicht, grins).
Sehr witzig sind die alten Roboter, die im Hintergrund von Sheerdurns
Bude stehen.
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Handlungsrezension
(Erich "E-Man Wall-1" Wallner)
Auch wenn im Milchstraßenzentrum die Sterne
sehr dicht stehen, ein 24 Lichtjahre durchmessender Kokon kann nicht
all zu viele Welten bergen. Es scheint auch der einzig wirklich geschützte
Sternenozean zu sein.
Was Marc London spürt, könnte auf körperlose Wesen als
Schirmkontrolleure hindeuten. Der Schmerz, wie eine nachempfundene Körperzerstörung,
könnte eine geweckte Erinnerung sein.
Beobachter innerhalb des Schirms werden abgezogen.
Kennen wir die tatsächlichen Absichten von ES?
Wollte ES neue SCHWARME initiieren und auf den Weg schicken?
Hier darf Lukas mit der Schilderung der Gefangenen Charons beginnen.
Die sieben Charon-Völker stammen von Epha-Motana ab, die von den
verschwundenen Schutzherren in Habitaten am Rand der Sternenballung
angesiedelt wurden.
Ein Ex-Strukturpilot weiht einen ins Observatorium eingedrungenen Sprössling
eines früheren Kameraden in seine geheimsten Erkenntnisse ein,
soweit sie neben der gelehrten Version liegen. Wir begleiten diesen
unsportlichen, aber hochintelligenten Knaben weiter in seinem Alltag.
Anhand einer Prüfungsaufgabe in der Schule kommen wir an neue Daten
und Kenntnisse:
Auch die Welten untereinander sind durch Strukturgestöber getrennt.
Die Pilotenstadt ist eines der Habitate, mit denen die Besiedelung begann.
Man könnte also jederzeit die Charon-Wolke verlassen, auf jenem
Stand, als man dort Zuflucht suchte.
Kempo, wie der Junge heißt, erzählt dem alten Sheerdurn von
seinen Träumen, das Strukturgestöber zu spüren und zu
beeinflussen. Was bedeutet, dass ihm das Pilotentalent vererbt wurde.
Aber dass seine Gedanken sowohl zum unzugänglichen Goldenen Zentrum
wie auch dem Außenraum reisen, lässt ihn als Sondertalent
erkennen. Nur dass in der anstehenden Pubertät bestimmte Neigungen
wieder erlöschen können.
In dem ungestümen Kleinen kocht die Wut aber so richtig hoch, als
man recht freimütig über den Wegfall des Kokons hinweg geht.
Auch wird ihm die Hyperimpedanz zu wenig erläutert. Seine Wunschvorstellung
aus Charon hinauszufliegen, hätte jetzt eine reelle Chance.
Auch die fanatischen Gläubigen liegen viel näher an den Realitäten,
wenn sie die mögliche Rückkehr der Schutzherren feiern.
Der Greis und der Knabe entschließen sich, als Blinde Passagiere
am Probeflug der reparierten DORYNA teilzunehmen. Wenn auch er Narrenfreiheit
ob seiner Senilität bekäme, unangenehme Verbannung auf die
geistig beeinträchtigende Planetenoberfläche bliebe ihm kaum
erspart. Sein Gnadenbrot auf dem beengten Habitat wäre verwirkt.
Wie sieht es aber mit seiner Verantwortung für das hoffnungsvolle
Talent aus?
Seine Reputation als früherer Ausbilder würde nicht ausreichen,
die verbauten Zukunftschancen zu kitten. Eher weiß er wohl, dass
die körperlichen Unzulänglichkeiten ausreichen, ihn von vorneherein
die Prüfungen erst gar nicht angehen zu lassen. Hoffnung auf eine
irrationale Bewährungs-möglichkeit, traut er sich erst gar
nicht auszusprechen. Nachdem ein Band der Geistes-verwandtschaft geknüpft
ist, gedenkt er wohl, dem chancenlosen Lebenstraum des unreifen Früchtchens
etwas nach zu helfen.
Auf ähnliche Art und Weise dringen wir tiefer in die Persönlichkeit
Marc Londons ein.
Die Erfolge, die mit seinem „passiven“ Talent erreicht wurden,
kann er nicht für sich verbuchen. Seine Unsicherheit und Unentschlossenheit
stärken sich in Wechselwirkung mit dem Wunsch davonzulaufen.
Das pubertäre Lebensgefühl ist trotzdem noch nachvollziehbar,
entgegen Myles Kantors Unnahbarkeit. Er liegt eher auf der Anfängerschiene
Kantirans (Der sich bei der nächsten Begegnung hoffentlich weiterentwickelt
hat.)
Der Paukenschlag, im Alleingang die Welt zu retten, bleibt ihnen jedoch
verwehrt.
Nun trifft auch die RICHARD BURTON ein. Ob die Vereinigung der Datensätze
die CHARON-Schranke öffnet? Aber sie bezeichnet nur den Ort, wo
das Strukturgestöber abzuschalten ist.
Die Technik der Dolben vermag fast aus dem Ansatz, auf Linearflug zu
gehen.
Was bei den Bionischen Kreuzern zu sehr auf die Kunst der Motana spezialisiert
war, um Vorteile aus ihrer Technik zu ziehen, bekommt hier einen besser
verwertbaren Aspekt.
Die für das Strukturgestöber entwickelte Technik könnte
bei der Hyperimpedanz besser als bisher Bekanntes modifiziert werden.
Zusammen mit Salkrit ergäbe es einen Befreiungsschlag aus der Lähmung
- sofern man die Chaosflotte vom Goldenen Topf abhalten kann.
Im Zentrum der Milchstraße entstünde das neue Zentrum der
Terranischen Macht.
Ohne anerkannte Freundschaft durch alte Wissende, wird man nicht sogleich
ankommen. Was bedeutet schon die Rettung des Brudervolkes der Motana
vor den Kybb, wenn nicht zumindest ein Schutzherr zugegen ist.
Die Blinden Passagiere wurden nicht entdeckt.
Nach weiteren 2 Jahren Freundschaft (und zielgerichteter Förderung)
fallen die Prüfungen an - die der ersten Liebe und die der Pilotenanwärter.
Ein seltsames Ergebnis erreicht Kempo: Fachwissenbester aber keine Pilotenbefähigung.
So etwas gab es noch nie. Vielleicht liegt es am Tabubruch, Raumerfahrung
vor der Prüfung, oder an der Belastung der DORYNA durch das Strukturgestöber.
Vielleicht aber ist er auch das Gegenstück zu Marc London: latent
begabt!
Solche Rätsel sind für mich die Spannung der anderen Art,
die in keinem Krimi, Western oder im Action-Genre, ja nicht einmal in
Horror und Fantasy in Frage kommen - auch wenn man auf der emotionellen
Schiene der Liebeswirren ganz davon abgelenkt werden soll.
Vielleicht ist der biographische Teil nicht so ausgereift wie Feldhoffs
Musterwerke. Doch Lukas entwickelt eine ungeahnte Leichtfüßigkeit
und damit größere Authentizität.
[ Vielleicht trifft er auch nur meine Erinnerungen an erste Leidenschaften
besser. Das aber nur nebenbei.]
Oder anders gesagt, es lässt für Darstellung im Abenteuerbereich
noch Ergebnisse großen Einfühlungsvermögens erhoffen.
Hat L.L. sich tatsächlich seine egomanischen Hörner abgestoßen?
Das ging aber schnell. Ich wünsche ihm, dass das eher von einem
ausgeglichenen Leben getragen ist.
Kempos neue Freundin geht in die Ausbildung und kann bei seinen Eltern
unterkommen. Er hingegen nimmt den verhassten Platz auf der Farm ihres
Vaters auf dem Planeten ein.
Demütig stürzt er sich in die anfallende Arbeit, bis er schwer
erkrankt. Auharas ehemalige Gouvernante benachrichtigt heimlich Sheerdurn.
Um Kempo von seiner Tochter fern zu halten, hatte das einflussreiche
Ratsmitglied die Prüfer bestochen. Denen kam das sehr gelegen;
sie hatten nämlich Angst vor Kempos überragenden Werten. Sie
hätten ihn erbärmlich auf dem Planeten krepieren lassen, hätte
der alte Ex-Pilotenausbilder nicht das Komplott aufgedeckt.
Die Ausbilder müssen jedoch alles tun, um ihn wegen seines Aggressionspotentials
zu diskreditieren. Unerwarteten Beistand erfährt er nun von seinem
als „stoisch“ verkannten Vater. Als Familienrezept zeigt
er ihm eine alte vergessene Technik des „Gesangs nach innen“.
Vergleiche mit den Todbringern der Motana sind darum angemessen. Dass
der Kadettenerstflug in einer Hypersturmhavarie endet, wird leider Kempo
angelastet.
Die Unregelmäßigkeiten, wie Tryortanschlünde, aufgrund
der veränderten Bedingungen finden in der eng umrissenen Enklave
kaum Eingang ins Bewusstsein der Charon-Kosmologen. Hier kann man sich
nicht über den angeblichen Schmus der Singing Girls aus den Wäldern
mokieren.
Es ist mir kaum vorstellbar, was an den Charon-Motana jetzt wieder nicht
ins Weltbild bestimmter Perry-Leser passen sollte. Dafür ist mir
die Nähe zu den Bedingungen in der Provcon-Faust peinlich bewusst.
Gut gelöst, wenn auch mit einem Verwirrungsfaktor, ist die chronologische
Annäherung an die Zeitgleichheit zu den Beobachtern vor der Wolke.
Dieses sehr diffizile Spiel vernäht mehrere anspruchsvolle Ebenen
zu einem doppelt und dreifachen Meisterwerk.
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