Band 2310:
Strukturpiloten

Zyklus: TERRANOVA
Erscheinungsdatum: 25.11.2005
offizielle Romanvorstellung  auf der Perry-Rhodan-Website

Autor: Leo Lukas
Titelbild: Alfred Kelsner
Illustration: Michael Wittmann

Kommentar: Die Charon-Wolke
Extra: Journal

Rezension:
Bild
(Andy Schmid)
Text (Erich Wallner


Bild-Rezension (Andy "Lumpazie" Schmid)

Jetzt wissen wir endlich, was ES zu so lange zu tun hatte: Er hat eine Geschlechtsumwandlung unterzogen und ist jetzt eine SIE. Das impliziert jedenfalls das Titelbild dieses Heftromans. Man sieht eine hübsche Maid, daneben ein Weltraumhabitat, das sehr an die Darstellung des Kunstplaneten auf dem Poster in Heft 1500 erinnert.
Natürlich ist dem nicht so. Vielmehr zeigt das Bild eine Wohnwelt der Strukturpiloten aus der Charonwolke. Hier recycelt sich die Perry Rhodan-Serie wiedermal selbst:
Ein undurchdringlicher Staubwall, der nur von speziellen Menschen mit der dazu gehörigen PSI-Fähigkeit durchdrungen werden kann. Denkt da nicht jeder an die Provocon-Faust und die Vakulotsen? Nur: Diesmal heißt der Nebel "Charon-Wolke" und durch sie lotsen die "Strukturpiloten".

Aber ich will nicht meckern - es ist eben auch schwer, etwas Neues zu erfinden. Außerdem wird die Kultur der Charronis sehr schön beschrieben, ganz im Gegensatz zu den Vakulotsen seinerzeit. Wer die hübsche Maid auf dem Titelbild ist, geht bis dato aus dem Roman nicht hervor.
Die große Liebe des Handlungsträgers Kempo kann es nicht sein, die ist blond. Ist es der junge Strukturpilot selbst? - Dann hätte er aber einen Überschuss an weiblichen Hormonen - eine Dragqueen in Perry Rhodan, das hätte doch mal was ;-)
Nachdem ich nun fast am Ende des Romans bin, vermute ich, dass Alfred hier einfach die Heimstätte der Strukturpiloten symbolisch mit den schönen Augen der namenlosen Maid als die Augen von Charon darstellen wollte.
Ob hier Monika, eine alte Freundin von Alfred, als Vorbild stand? Ich glaube ja ..........

Die Innenillustration von Michael Wittmann finde ich sehr gut!
Sie zeigt den gauzigen Sheerdurn, dessen Bildnis mir wie eine Mischung aus Walter Ernsting und Elton John vorkommt. Ob diese Ähnlichkeit gewollt war?
Die krasse Brille ist ein Markenzeichen der Strukturpiloten - wenn die Marketingabteilung von VPM fit ist, schlägt sie daraus Kapital!
Die 70-er sind ja derzeit wieder im Trend - da gab es solche Brillen zu hauf ;-)
Bei dem Bild fällt mir glatt eine Werbung aus dem TV ein:
"Hey Opa, warum schaust Du auf dem alten Super 8 Film so bescheuert aus?"
"Tja", meint daraufhin der Angesprochene,"Fielmann gab es damals noch nicht."
(Und in der Charonwolke auch nicht, grins).
Sehr witzig sind die alten Roboter, die im Hintergrund von Sheerdurns Bude stehen.


Handlungsrezension (Erich "E-Man Wall-1" Wallner)

Auch wenn im Milchstraßenzentrum die Sterne sehr dicht stehen, ein 24 Lichtjahre durchmessender Kokon kann nicht all zu viele Welten bergen. Es scheint auch der einzig wirklich geschützte Sternenozean zu sein.
Was Marc London spürt, könnte auf körperlose Wesen als Schirmkontrolleure hindeuten. Der Schmerz, wie eine nachempfundene Körperzerstörung, könnte eine geweckte Erinnerung sein.
Beobachter innerhalb des Schirms werden abgezogen.

Kennen wir die tatsächlichen Absichten von ES?
Wollte ES neue SCHWARME initiieren und auf den Weg schicken?
Hier darf Lukas mit der Schilderung der Gefangenen Charons beginnen.
Die sieben Charon-Völker stammen von Epha-Motana ab, die von den verschwundenen Schutzherren in Habitaten am Rand der Sternenballung angesiedelt wurden.
Ein Ex-Strukturpilot weiht einen ins Observatorium eingedrungenen Sprössling eines früheren Kameraden in seine geheimsten Erkenntnisse ein, soweit sie neben der gelehrten Version liegen. Wir begleiten diesen unsportlichen, aber hochintelligenten Knaben weiter in seinem Alltag. Anhand einer Prüfungsaufgabe in der Schule kommen wir an neue Daten und Kenntnisse:
Auch die Welten untereinander sind durch Strukturgestöber getrennt.
Die Pilotenstadt ist eines der Habitate, mit denen die Besiedelung begann.
Man könnte also jederzeit die Charon-Wolke verlassen, auf jenem Stand, als man dort Zuflucht suchte.

Kempo, wie der Junge heißt, erzählt dem alten Sheerdurn von seinen Träumen, das Strukturgestöber zu spüren und zu beeinflussen. Was bedeutet, dass ihm das Pilotentalent vererbt wurde. Aber dass seine Gedanken sowohl zum unzugänglichen Goldenen Zentrum wie auch dem Außenraum reisen, lässt ihn als Sondertalent erkennen. Nur dass in der anstehenden Pubertät bestimmte Neigungen wieder erlöschen können.
In dem ungestümen Kleinen kocht die Wut aber so richtig hoch, als man recht freimütig über den Wegfall des Kokons hinweg geht. Auch wird ihm die Hyperimpedanz zu wenig erläutert. Seine Wunschvorstellung aus Charon hinauszufliegen, hätte jetzt eine reelle Chance.
Auch die fanatischen Gläubigen liegen viel näher an den Realitäten, wenn sie die mögliche Rückkehr der Schutzherren feiern.

Der Greis und der Knabe entschließen sich, als Blinde Passagiere am Probeflug der reparierten DORYNA teilzunehmen. Wenn auch er Narrenfreiheit ob seiner Senilität bekäme, unangenehme Verbannung auf die geistig beeinträchtigende Planetenoberfläche bliebe ihm kaum erspart. Sein Gnadenbrot auf dem beengten Habitat wäre verwirkt.
Wie sieht es aber mit seiner Verantwortung für das hoffnungsvolle Talent aus?
Seine Reputation als früherer Ausbilder würde nicht ausreichen, die verbauten Zukunftschancen zu kitten. Eher weiß er wohl, dass die körperlichen Unzulänglichkeiten ausreichen, ihn von vorneherein die Prüfungen erst gar nicht angehen zu lassen. Hoffnung auf eine irrationale Bewährungs-möglichkeit, traut er sich erst gar nicht auszusprechen. Nachdem ein Band der Geistes-verwandtschaft geknüpft ist, gedenkt er wohl, dem chancenlosen Lebenstraum des unreifen Früchtchens etwas nach zu helfen.

Auf ähnliche Art und Weise dringen wir tiefer in die Persönlichkeit Marc Londons ein.
Die Erfolge, die mit seinem „passiven“ Talent erreicht wurden, kann er nicht für sich verbuchen. Seine Unsicherheit und Unentschlossenheit stärken sich in Wechselwirkung mit dem Wunsch davonzulaufen.
Das pubertäre Lebensgefühl ist trotzdem noch nachvollziehbar, entgegen Myles Kantors Unnahbarkeit. Er liegt eher auf der Anfängerschiene Kantirans (Der sich bei der nächsten Begegnung hoffentlich weiterentwickelt hat.)
Der Paukenschlag, im Alleingang die Welt zu retten, bleibt ihnen jedoch verwehrt.
Nun trifft auch die RICHARD BURTON ein. Ob die Vereinigung der Datensätze die CHARON-Schranke öffnet? Aber sie bezeichnet nur den Ort, wo das Strukturgestöber abzuschalten ist.
Die Technik der Dolben vermag fast aus dem Ansatz, auf Linearflug zu gehen.
Was bei den Bionischen Kreuzern zu sehr auf die Kunst der Motana spezialisiert war, um Vorteile aus ihrer Technik zu ziehen, bekommt hier einen besser verwertbaren Aspekt.
Die für das Strukturgestöber entwickelte Technik könnte bei der Hyperimpedanz besser als bisher Bekanntes modifiziert werden. Zusammen mit Salkrit ergäbe es einen Befreiungsschlag aus der Lähmung - sofern man die Chaosflotte vom Goldenen Topf abhalten kann.

Im Zentrum der Milchstraße entstünde das neue Zentrum der Terranischen Macht.
Ohne anerkannte Freundschaft durch alte Wissende, wird man nicht sogleich ankommen. Was bedeutet schon die Rettung des Brudervolkes der Motana vor den Kybb, wenn nicht zumindest ein Schutzherr zugegen ist.

Die Blinden Passagiere wurden nicht entdeckt.
Nach weiteren 2 Jahren Freundschaft (und zielgerichteter Förderung) fallen die Prüfungen an - die der ersten Liebe und die der Pilotenanwärter.
Ein seltsames Ergebnis erreicht Kempo: Fachwissenbester aber keine Pilotenbefähigung. So etwas gab es noch nie. Vielleicht liegt es am Tabubruch, Raumerfahrung vor der Prüfung, oder an der Belastung der DORYNA durch das Strukturgestöber.
Vielleicht aber ist er auch das Gegenstück zu Marc London: latent begabt!
Solche Rätsel sind für mich die Spannung der anderen Art, die in keinem Krimi, Western oder im Action-Genre, ja nicht einmal in Horror und Fantasy in Frage kommen - auch wenn man auf der emotionellen Schiene der Liebeswirren ganz davon abgelenkt werden soll.
Vielleicht ist der biographische Teil nicht so ausgereift wie Feldhoffs Musterwerke. Doch Lukas entwickelt eine ungeahnte Leichtfüßigkeit und damit größere Authentizität.
[ Vielleicht trifft er auch nur meine Erinnerungen an erste Leidenschaften besser. Das aber nur nebenbei.]
Oder anders gesagt, es lässt für Darstellung im Abenteuerbereich noch Ergebnisse großen Einfühlungsvermögens erhoffen.
Hat L.L. sich tatsächlich seine egomanischen Hörner abgestoßen? Das ging aber schnell. Ich wünsche ihm, dass das eher von einem ausgeglichenen Leben getragen ist.

Kempos neue Freundin geht in die Ausbildung und kann bei seinen Eltern unterkommen. Er hingegen nimmt den verhassten Platz auf der Farm ihres Vaters auf dem Planeten ein.
Demütig stürzt er sich in die anfallende Arbeit, bis er schwer erkrankt. Auharas ehemalige Gouvernante benachrichtigt heimlich Sheerdurn.
Um Kempo von seiner Tochter fern zu halten, hatte das einflussreiche Ratsmitglied die Prüfer bestochen. Denen kam das sehr gelegen; sie hatten nämlich Angst vor Kempos überragenden Werten. Sie hätten ihn erbärmlich auf dem Planeten krepieren lassen, hätte der alte Ex-Pilotenausbilder nicht das Komplott aufgedeckt.
Die Ausbilder müssen jedoch alles tun, um ihn wegen seines Aggressionspotentials zu diskreditieren. Unerwarteten Beistand erfährt er nun von seinem als „stoisch“ verkannten Vater. Als Familienrezept zeigt er ihm eine alte vergessene Technik des „Gesangs nach innen“.
Vergleiche mit den Todbringern der Motana sind darum angemessen. Dass der Kadettenerstflug in einer Hypersturmhavarie endet, wird leider Kempo angelastet.
Die Unregelmäßigkeiten, wie Tryortanschlünde, aufgrund der veränderten Bedingungen finden in der eng umrissenen Enklave kaum Eingang ins Bewusstsein der Charon-Kosmologen. Hier kann man sich nicht über den angeblichen Schmus der Singing Girls aus den Wäldern mokieren.

Es ist mir kaum vorstellbar, was an den Charon-Motana jetzt wieder nicht ins Weltbild bestimmter Perry-Leser passen sollte. Dafür ist mir die Nähe zu den Bedingungen in der Provcon-Faust peinlich bewusst.
Gut gelöst, wenn auch mit einem Verwirrungsfaktor, ist die chronologische Annäherung an die Zeitgleichheit zu den Beobachtern vor der Wolke. Dieses sehr diffizile Spiel vernäht mehrere anspruchsvolle Ebenen zu einem doppelt und dreifachen Meisterwerk.


Letztes Update dieser Seite am 29.12.2005