Bild-Rezension (Andy
"Lumpazie" Schmid)
Was ist jetzt los? Das soll ein Perry Rhodan-Titelbild
sein? Und auch noch eins von Swen Papenbrock?
Nie im Leben!
Und doch belehrt mich ein Blick ins Impressum eines Besseren. Au Backe,
so ein Schock.
Ich kann nur hoffen, das dies ein Experiment sein soll. Oder dass dieses
Bild unter höchstem Zeitdruck entstanden ist.
Zu sehen ist ein ein LILA Raumfahrzeug, das über eine diffuse Stadtlandschaft
hinwegfliegt. Die Sonne wird von einer grauen Wolkendecke verhüllt
und versucht verzweifelt, etwas mehr Licht in diese düstere Landschaft
zu bringen.
Düster sieht die Komposition aus - ja beinahe, wären da nicht
die grünen Flächen und weißen Türme dazwischen.
Und dort, wo man von dem Moloch der Stadt etwas sehen könnte, verschwimmt
alles oder geht in grauen Schwaden des Industrierauchs unter.
Wenn Swen hier eine Stadt darstellen will, ähnlich wie in dem Film
"Blade Runner", dann ist es ihm gründlich misslungen.
Außerdem sieht man dem Bild allzusehr seine Herkunft aus dem Computer
an!
Ist das die neue Arbeitsweise von Swen - BITTE NICHT!
Das Bild sieht dermassen kitschig und öde aus, dass es mir graut.
Sicherlich mein persönlicher Geschmack - aber auch im Galaktischen
Forum wurde dieses Bild sehr, sehr schlecht aufgenommen (da bin ich
ja erleichtert, das nicht nur ich so empfinde).
Aber ich will Swen nicht allein dafür verantwortlich machen.
Dass Klaus N. Frick so ein Bild durchgehen lässt, kann ich fast
nicht glauben. Entweder herrschte da wirklich Zeitdruck ohne Ende, und
es sollte ein mutiges Experiment darstellen?
Aber schaue ich mir die Titelbilder der aktuellen HeyneStaffel an, entdecke
ich wirklich diverse Ähnlichkeiten.
Ich ahne Übles.
Wenn das der neue Mainstream ist - dann gute Nacht.
Und dabei gäbe der Inhalt des sehr guten Thurner-Romans doch gerade
mit der Beschreibung der beengten Wohnlichkeiten der Lemurer ein dankbares
Motiv ab.
Sicherlich waren Michael Marcus die Bilder des Films "Blade Runner"
vor seinem innerlichen Auge, als er diesen Roman geschrieben hat. Und
Swen wäre auch der richtige gewesen, dies genial umzusetzen. Leider
ging das völlig daneben.
Bitte lieber Swen, bitte liebe Perry Rhodan Redaktion - so ein Bild
- NIE WIEDER!!!
[Ergänzung E-Man: Was früher Ralph Voltz
angelastet wurde, (ich jedoch nie unterschrieben hätte) - das setzt
Sven Papenbrock hier in der schrecklichsten Form um. Ich mag Lila, nicht
aber in dieser billigen Plastik-Version von Gartenartikeln im PRAKTIKER-Markt.
(Selbst Gartenzwerge hinter tschechischen Grenzübergängen
sind schöner). Die grünen Plattformen mit den Silbertürmen
sind perfekt angelegt, doch warum müssen sie so schwammig ausfallen?
Die ersten computergenerierten Werke der Risszeichner-Gilde - mögen
sie auch noch so seltsam ausgefallen sein, tragen in sich noch eine
Berechtigung zur Anwendung eines Grafik-Programms. - S.P. kann man nur
wünschen, schnell zu seinen handwerklichen Fähigkeiten zurückzukehren.]
Dagegen versöhnt mich Swen etwas mit der Innenillustration.
Die stellt zwar nichts Besonderes dar, konzentriert sich aber auf das,
was Swen am besten kann: Lebewesen zeichnen.
Hier sehen wir mal eine gekonnte Studie einer lemurischen Kochmütze,
als Abamäus Zott (Zott, der Joghurthersteller? Schleichwerbung
bei PR?) seinen neuen Lehrling Aheun belehrt.
Eine sehr einfache Zeichnung, die mich aber mehr begeistert als der
profane Kugelraumer im letzten Heft.
Den Rest des Bildes hätte Swen ruhig mit etwas mehr Küchengeräten
oder Töpfen ausstatten können. Doch damit kann ich gut leben.
Schade um das Titelbild - denn obwohl dieser Roman die Handlung überhaupt
nicht weiterbringt (so wie die ca. letzten 15 Hefte - seufzzzz), ist
er sehr schön und spannend zu lesen! Ich möchte das böse
LF-Wort nicht benutzen, aber wenn Romane so geschrieben sind wie dieser
(oder die Doppelnummer von Arndt Ellemer um den Konvergenten Denker),
dann dürfen es ruhig mehr Lückenfüller sein (huch, nun
ist es mir doch rausgerutscht).
Der Roman hat übrigens einen hohen TCE-Anteil!
Auf der Kommunikationsseite wird schon zum zweiten (!) mal das Karl-Herbert
Scheer-Gedenkwerk beworben.
Das Titelbild von den Clubnachrichten ziert ein Bild von unserem Clubmitglied
Nobby R., und auf der LKS ist mal wieder ein Bild von mir veröffentlicht
;-).
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Handlungsrezension
(Erich "E-Man Wall-1" Wallner)
Ein Hauch von "Name der Rose" begleitet
die Jungmönche, als sie in den lemurischen Anlagen der Sonnentransmitter
herumstreifen. Dadurch sticht der aktuelle Bezug zum Vatikan nicht gleich
vehement ins Auge. Da verstehe ich den Rummel um die erweiterte Auflage
der "Siedler von Vulgata" nicht ganz.
Vom Werk Michael Marcus Thurners fühle ich mich besser angesprochen.
Die Lotterie zur Kastratensuche mag einige klassische Vorbilder zum
Vater haben. Das klerikale Ambiente in seiner Ruhe und Tiefe verschafft
mir eine Zufriedenheit und Erholung, die lange fällig war. Selbst
mein steter Schrei nach Exotik ist verstummt, während ich jeden
Satz von "Quartier Lemurica" durchnuckle.
Der kleine Mönch mit seiner Tretroller-Sonderanfertigung. Vielleicht
male ich ihn mir selber und überklebe das Titelbild, um dieses
einmalige Leseerlebnis beim Durchblättern wieder zu erkennen.
In der Schaltzentrale der Macht sind technische Bedienvorgänge
zu Scheinhandlungen verkümmert und die technische Kompetenz verloren
gegangen. Ein Wunder, dass wenigstens in den Ameisenunterkünften
noch soviel funktioniert.
Liegt die wahre Macht bei den Maschinen?
Jedenfalls wird bei der Anwahl des Sonnentores durch die Sicherheitsschaltung
diese Riege falscher Eingeweihter wie Ungeziefer weggeputzt. Kommt es
im Folgeband wieder zu einer Begegnung mit einem Robotregenten?
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